Indien auf der Überholspur

Indien hat den Nutzen der Privatwirtschaft für sich entdeckt. Nach über 60 Jahren staatlich kontrollierter Wirtschaft sollen nun Probleme angepackt und umfassende Reformen auf den Weg gebracht werden – in Konkurrenz mit China.

 
Dafür sollen Entwicklungshemmnisse wie Bürokratie, Korruption in Verbindung mit intransparentem Steuerrecht, vernachlässigter Infrastruktur, unzuverlässiger Energieversorgung und mangelhafter Ausbildung, schon bald der Vergangenheit angehören.

 
Die Regierung des etwa 1,3 Mrd.-Volkes will gezielt Investoren anlocken, die Wirtschaft ankurbeln und einen wahren Reformmodus einlegen. „Indien ist auf der Überholspur“, das ist die Botschaft, die die internationale Wirtschaft deutlich vernehmen soll. Schneller, intelligenter und demokratischer sei Indien im Vergleich mit China, lässt die Regierung verkünden.

 
Und in der Tat, es ist erstaunlich, was Regierungschef Narendra Modi vorhat. Hier ein Beispiel:

 
Bereits 2018 soll die bestehende 1.500 km lange Bahnverbindung zwischen Delhi und Mumbay zu einer Turbo-Gütertransport-Strecke ausbauen, um die bislang langen Transportzeiten von derzeit sieben Tagen auf dann nur noch einen Tag zu reduzieren. Zusätzlich soll entlang der Strecke ein Industriekorridor entstehen mit dem Aufbau von 24 modernen Industriestädten. Im Eiltempo will Modi den Anteil der Industrie am Wirtschaftswachstum von derzeit 15 % auf bald 25 % steigern und mittelfristig sogar besser werden als der Konkurrent China, dessen Industriesektor einen Anteil am Wirtschaftswachstum von stolzen 33 % aufweist.

 
Und, besonders interessant ist, dass die indische Regierung die Rahmenbedingungen für einen prosperierenden Mittelstand setzen will, bei dem auch z.B. das duale Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild verankert werden soll.. Ich habe bei meinen Reisen nach Indien als Parlamentarische Staatssekretärin immer wieder erfahren, welch ein wahrer „Renner“ unser duales System in Indien und weltweit ist. Das ist eine große Chance gerade für unsere deutsche Wirtschaft, sich auf dem indischen Markt zu engagieren. Bildung und Ausbildung sind nun einmal der Schlüssel für Wohlstand, das haben auch die Inder längst erkannt.

 
Millionen neue Arbeitsplätze sollen entstehen in den zu erwartenden Mega-Cities. Etwa 350 Millionen Inder werden in den kommenden fünf Jahren vom Land in die Stadt ziehen. Es heißt, Indien brauche jeden Monat etwa eine Million neue Arbeitsplätze – zehn Jahre lang.

 
70 Prozent der indischen Bevölkerung sind junge Leute unter 30 Jahre alt. Ein Großteil des Arbeitskräftezuwachses könnte im Bausektor Beschäftigung finden. Nur noch ein Drittel von ihnen wird in naher Zukunft noch in der Landwirtschaft arbeiten. Heute sind dies noch 70 Prozent. Die übrigen Arbeitskräfte werden im Dienstleistungssektor, vorrangig in der Industrie, gebraucht.

 
Gerade aber rund um Mega-Cities wird es in Zukunft besonders wichtig sein, die Ernährungssicherung der städtischen Bevölkerung nicht aus den Augen zu verlieren. Der Ausbau des Agrarsektors um Metropole herum ist deshalb von besonderer Bedeutung. Hier sollten ebenfalls Investitionen erfolgen in Ausbildung, Wissenschaft, Forschung, Nutzung von neuester Technik, um den Ertrag und die Qualität von landwirtschaftlichen Produkten zu steigern. Die staatliche und privatwirtschaftliche Kooperation zwischen Deutschland und Indien ist gerade in diesem Sektor für beide Seiten chancenreich.

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