Deutsche Reiselust auf dem Prüfstand

Pünktlich zur ITB in Berlin meldet der Deutsche Reise Verband (DRV) Rekordumsatzzahlen für das Touristikjahr 2013 / 2014. Die Umsätze der deutschen Reiseveranstalter verzeichneten ein Milliarde Euro Zuwachs – auf die Bestmarke 26,3 Milliarden Euro! Dies entspricht einem Plus von 4 %.

Ob das von der Branche erwartete weitere Wachstum auch in diesem Jahr aber realistisch ist, bleibt abzuwarten.

Gewalt und Terror haben zugenommen: IS, Boko Haram, Al Qaida verbreiteten Angst und Schrecken, nicht nur in Afrika, sondern mit Auswirkungen bis nach Europa. Zudem sind die Ukraine-Krise, der anhaltende Krieg in Syrien, Spannungen in Süd-Sudan, die Ebola-Epidemie in Westafrika und der Gaza-Krieg, zu nennen. Und diese Aufzählung ist noch nicht einmal vollständig.

Es wäre naiv zu glauben, dass diese Unsicherheitsfaktoren deutsche Reisende kalt ließen. So hat es in den letzten Monaten der anhaltenden Ebola-Epidemie sogar Stornierungen von Reisen nach Süd-Afrika gegeben, obwohl die Entfernung zwischen den drei westafrikanischen „Ebola-Ländern“ und Süd-Afrika enorm ist. Dennoch, wenn Risiko für Gesundheit und Sicherheit offenbar werden, reagieren viele Touristen mit Abkehr, was verständlich ist. Tröstlich ist jedoch, dass sich die Touristenströme schnell verlagern, meist aber kehren sie im darauf folgenden Jahr zurück, sofern sich die Risiken vor Ort minimiert haben.

Beliebtestes Reisegebiet mit 36 % war im genannten Zeitraum die Mittelmeer-Region – bei Spannungen, wie in Ländern des Arabischen Frühlings, war dies eher das nördliche Mittelmeer. Im aktuellen Reisejahr erwarten die Veranstalter nach einem herben Einbruch jetzt für Griechenland ein Buchungsplus von über 17 % . Die größte Überraschung bietet aber der Nahe Osten, konkret der Iran, der als Studien-Reiseziel einen wahren Zustrom an Interessenten zu verbuchen hat: Hier gibt es einen Zuwachs von 275 !!

Der Tourismus ist in vielen – vor allem ärmeren Ländern – ein echter Wirtschaftsfaktor, der mit vielen Arbeitsplätzen und Deviseneinnahmen verbunden ist. Die Entwicklung des „sanften“, nachhaltigen Tourismus stellt deshalb in Afrika, Asien und Südamerika häufig eine wichtige Säule der Armutsbekämpfung dar.

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