Südseeparadies Vanuatu braucht internationale Hilfe

Die schlimmsten Folgen des fortschreitenden Klimawandels zeigen sich besonders nach dem bislang stärksten Zyklon Pam in der Südseeinsel-Region Vanuatu vor wenigen Tagen.
Überraschend kam dieser Horror aber nicht.
Das genaue Ausmaß der Katastrophe ist zwar bislang noch nicht absehbar, denn der Archipel mit seinen 83 Klein- und Kleinstinseln – 50 davon bewohnt – erstreckt sich über etwa 1.300 km durch den Südpazifik, aber die ersten Berichte und Bilder lassen Schlimmes befürchten.

Ich war als bislang höchste Regierungsrepräsentantin 2012 zu Besuch auf Vanuatu zu Regierungsverhandlungen in Port Vila und zwei angrenzenden Inseln. Deutschland und die EU sind nach Australien zweitwichtigste Geber von Entwicklungshilfe.
Deutschland unterstützt vor allem die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung Vanuatus.
Konkret vom Klimawandel bedroht sind die vielen Mangrovenwälder die als Küstenschutz dienen, die Korallenriffs und die Frischwasserreserven, die durch den Anstieg des Meeresspiegels versalzen.. Nachhaltigkeit ist gefragt, keine kurzfristigen Entwicklungs-Strohfeuer.
Deshalb hat die deutsche Bundesregierung im Zeitraum 2009 – 2015 das Regionalprojekt „Klimawandel in der pazifischen Inselregion“ mit insgesamt über 30 Mio. Euro unterstützt.

Der Klimawandel zeigte sich schon seit langem vor Ort auch in Form von zunehmenden Niederschlägen, der zu Erdrutschen führte und auch an den Küsten das Öko-System negativ beeinflusst hat, denn die Schwemmstoffe die damit ins Meer getrieben werden, führen zur Eutrophierung des Wassers und damit zur Zerstörung des wertvollen Riffsystems.

Eine wachsende Nährstoffanreicherung im Wasser kann aber auch auf indirekte Art zum Absterben der empfindlichen Korallen führen. So haben sich die gefährlichen Seesterne, sog. Dornenkronen, in den letzten Jahren explosionsartig vermehrt. Wie Heuschrecken fallen sie inzwischen über die Korallen her und saugen ihnen jegliches Leben aus. Es ist eine wahre Plage, der nur durch Handeinsammeln der Dornenkronen überhaupt beizukommen ist. Die Inselbewohner hole zuweilen bis zu 5.000 solcher Dornenkronen pro Tag im Tauchgang aus dem Wasser – und das betrifft nur die Korallen um eine der vielen kleinen Inseln herum.
Sind die Korallen erst tot, verschwinden mit ihnen sehr viele Fische und damit auch eine weitere Lebensgrundlage der Menschen in Vanuatu.

Deutsche Entwicklungshilfe finanziert und unterstützt technisch

  • das Einsammeln, Trocknen und Verarbeiten der Dornenkronen zu Pflanzendünger
  • die Anlage von Komposttoiletten zum Schutz der Grundwasservorräten
  • das Anpflanzen von besonders widerstandsfähigen Mangrovenwäldern zum Küstenschutz und
  • das Anlegen von Baumschulen tropischer Hölzer zur Wiederaufforstung und zum Schutz vor Erosion des Erdreiches .

Bei Katastrophen wie der des jüngsten Wirbelsturms ist nun Soforthilfe der Weltgemeinschaft gefragt, die aber über die Notsituation hinaus den etwa 240.000 Inselbewohnern ein Leben in Selbstbestimmtheit und nicht in lebenslanger Abhängigkeit von Geberländern, ermöglichen sollte.
Der Erhalt des jetzt besonders bedrohten Südseeparadieses liegt auch im Interesse der Weltgemeinschaft, vor allem wenn es um den Wiederaufbau bzw. Erhalt des einmaligen Ökosystems geht.

Annex:

Vanuatu mit seinen 83 Inseln und 240.000 Bewohnern erlangte 1980 seine Unabhängigkeit von der seit 1906 bestehenden gemeinsamen Verwaltung von Frankreich und Großbritannien.
Englisch und Französisch sind dort bis heute Amtssprachen, sowie Bislama. Außerdem existieren in Vanuatu über 108 verschiedene Dialekte und damit die größte Sprachendichte weltweit.
Vanuatu war vor seiner Unabhängigkeit bekannt als Neue Hebriden, die 1774 von James Cook entdeckt wurden.

Trotz – im regionalen Vergleich – beachtlicher Erfolge stehen in Vanuatu noch weitere Herausforderungen an, wie z.B. die Bildungsmöglichkeiten, Krankenversorgung, Straßenbau, Wasser- / Elektrizitätsversorgung und natürlich die Bewältigung von immer neuen Naturkatastrophen.
Im Zusammenhang mit der im letzten Jahrzehnt rasanten Entwicklung des Tourismus, die erheblich zum bescheidenen Wohlstand Vanuatus beigetragen hat, muss zusätzlich für eine nachhaltige Entwicklung dieses Sektors gesorgt werden.
Die traditionellen Eigentumsrechte an Grund und Boden (zeitlich begrenzte Überlassung von Land) kollidieren mit dem modernen Verständnis von Landrechten (Verkauf von Land), überfordert viele traditionellen Landbesitzer.

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