Agrarwirtschaft der Zukunft

Ernährungssicherheit durch Entwicklung des ländlichen Raums

Die Landwirtschaft kann wesentlicher Motor zur Überwindung von Armut und Hunger sein. Sie muss langfristig die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung sichern, die nicht nur wächst, sondern gleichzeitig nach höherwertiger, proteinreicher Nahrung verlangt. Insgesamt wird die Nachfrage der Landwirtschaft nach begrenzten Flächen, nach Wasser und Energie weiter zunehmen und Konflikte auslösen. Landwirtschaft muss deshalb in der Lage sein, die Ernährung ohne dauerhafte Schädigung ihrer eigenen Produktionsgrundlage zu ermöglichen. Mehr Produktion mit weniger, effizienterem Ressourceneinsatz und zugleich geringeren negativen Auswirkungen auf Klima und Umwelt – das sind die großen Herausforderungen der Zukunft im Ernährungsbereich.

Die Versorgung der Bevölkerung in Entwicklungsländern mit Agrarprodukten und Wasser muss im Fokus deutscher, europäischer und internationaler Entwicklungspolitik stehen. Es gilt, folgende Leitbilder umzusetzen:

  • Umsetzung des Rechts auf Nahrung und Wasser
  • Verhinderung von verbreitetem „land grabbing“
  • Verantwortungsvoller Anbau von Energiepflanzen
  • Förderung primär kleinbäuerlicher Landwirtschaft
  • Gleichberechtigung der Geschlechter und Integration von marginalisierten Gruppen,
    bei Einbettung der Landwirtschaftsförderung in eine umfassende Strategie zur Entwicklung des ländlichen Raums.

 

Umsetzung des Rechts auf Nahrung und Wasser

Die Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung und Wasser sollte die wichtigste Orientierung des deutschen Engagements im Agrarbereich sein. Den von Hunger und Mangelernährung bedrohten Staaten fällt die Hauptverantwortung zu, ihrer Verpflichtung zur Umsetzung des Rechts auf Nahrung und Wasser nachzukommen und Menschen den Zugang zu ausreichend guter Nahrung zu gewährleisten.

Agrarpolitikberatung soll dabei helfen, in den Kooperationsländern mit Landwirtschaftsschwerpunkt den Aufbau der erforderlichen institutionellen, finanziellen, technischen und personellen Kapazitäten.

Landwirtschaft kann im Wesentlichen nur von den Menschen vor Ort, den Regierungen der einzelnen Länder und ihren Regionalorganisationen entwickelt werden. Deren Strategien, Programme und Investitionspläne werden damit auch zum Maßstab aller Unterstützungsleistungen der internationalen Gemeinschaft. Nach diesem Grundsatz sollte die Koordination im Geberkreis und ihre Zusammenarbeit mit Regierungen, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft in Kooperationsländern ausgerichtet sein.

Verhinderung von „land grabbing“

Investitionen in die Landwirtschaft bilden die notwendige Grundlage für die Steigerung insbesondere der kleinbäuerlichen Produktivität. Sie sind daher grundsätzlich zu begrüßen und zu fördern. Bedauerlicherweise bedrohen aber heute viele großflächige Investitionsvorhaben in Land die Rechte der betroffenen Bevölkerung, schaffen neue Armut und schüren soziale und politische Konflikte.

Besonders gefährdet sind die Landnutzungs- und Eigentumsrechte beispielsweise von Frauen und indigenen Bevölkerungsgruppen. Ein solches „land grabbing“ muss unterbunden werden. Gefördert werden sollte dagegen verantwortungsvolles und nachhaltiges Investieren etwa durch die Erarbeitung entwicklungsförderlicher Bodenpolitiken oder konfliktsensibler Flächennutzungsplanung.

Verantwortungsvoller Anbau von Energiepflanzen

Ein erheblicher Teil großflächiger Investitionen in Land und Landwirtschaft in Entwicklungsländern steht derzeit im Zusammenhang mit dem dortigen Anbau von Energiepflanzen. Ein solcher Anbau stellt grundsätzlich eine Chance dar: Er kann die Entwicklung der ländlichen Wirtschaft starke Impulse geben und der lokalen Bevölkerung Einkommen verschaffen; außerdem können Energiepflanzen, die nicht für den Export produziert werden, dazu beitragen, Länder vom Import teurer fossiler Energieträger unabhängig machen.

Oberste Handlungs-Maxime muss jedoch sein, dass ein solcher Anbau auf keinen Fall die lokale Ernährungssicherheit gefährden darf. „Teller geht eindeutig vor Tank“.

Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft

Mit Blick auf die Armuts- und Hungerprobleme sowie auf die spezifischen landwirtschaftlichen Potenziale in den meisten Entwicklungsländern sollte die deutsche Entwicklungspolitik die Herausforderung und die große Chance vor allem darin sehen, dass kleinbäuerliche Betriebe sich von Selbstversorger, die am Existenzminimum wirtschaften, hin zu innovativen Marktakteuren in einer nachhaltig ausgerichteten Landwirtschaft entwickeln. Ihre Rolle in lokalen, regionalen und internationalen Wertschöpfungsketten soll gestärkt werden. Kleinbauernbetriebe sind Chance und Lösung vieler Probleme im ländlichen Raum. Sie bieten die größten Potenziale einer nachhaltigen Intensivierung der Landwirtschaft.

Gleichberechtigung

Frauen spielen eine herausragende Rolle in der Landwirtschaft, und sie verfügen in der Regel über ausgeprägte Erfahrungen und Kenntnisse zur Ernährungssicherung. Das Risiko in einem Land an Hunger zu leiden ist umso geringer, je besser der Zugang von Frauen etwa zu Land und Krediten ist. Gleichberechtigung der Geschlechter hätte eine deutliche Steigerung landwirtschaftlicher Produktivität und eine signifikante Verbesserung der Ernährungssicherheit zur Folge. Deshalb ist es unerlässlich, dass sich die deutsche Entwicklungspolitik für die Verbesserung der (erb)-rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Stellung von Frauen einsetzt.

Ähnliches gilt auch für die Integration marginalisierter Bevölkerungsgruppen wie z.B. Landlose, Indigene, Menschen mit Behinderungen.

Fazit:

Die Landwirtschaft sollte als Teil einer umfassenden Strategie zur nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums gefördert werden. So kann beispielsweise parallel zur Kleinbauernförderung auch die lokale Weiterverarbeitung von Agrarprodukten unterstützt werden, wodurch die Wertschöpfung im ländlichen Raum erhöht und der landwirtschaftliche Strukturwandel durch die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen abgefedert werden.

Wesentliche Voraussetzung für die Belebung der ländlichen Wirtschaft ist die Verfügbarkeit öffentlicher und privater Infrastruktur. Neben der Wirtschaftsförderung sind Strategien zum Schutz natürlicher Ressourcen und Maßnahmen der sozialen Daseinsvorsorge erforderlich, vor allem aber entwicklungsförderliche Rahmenbedingungen für den ländlichen Raum. Ländliche Entwicklung ist dabei mehr als die Entwicklung einzelner isolierter Sektoren. Entscheidend ist vor allem das Zusammenwirken vieler Entwicklungsfaktoren. .Beispielsweise gewinnt die sog. Nexus-Perspektive, die Beachtung von Querbezügen und Wechselwirkungen bei der Gewährleistung von Wasser-, Energie- und Ernährungssicherheit, eine wachsende Bedeutung. Hinzu kommt eine verantwortungsvolle Verwaltung von Boden- und Landnutzungsrechten, Fischgründen und Wäldern.

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