23.01.2012

Liberaler Jahresauftakt mit Gudrun Kopp und Hans-Dietrich Genscher [Audio: Interview mit Genscher]

Die "Zukunft Europas" faszinierte fast 400 Gäste im Detmolder Sommertheater
Ein Jahresauftakt nach Maß für die Liberalen im Detmolder Sommertheater: Mit einer politischen Grundsatzrede über die "Zukunft Europas" faszinierte der FDP-Ehrenvorsitzender Hans-Dietrich Genscher fast 400 Gäste aus großen Teilen von Ostwestfalen-Lippe. Sie alle waren auf Einladung der lippischen FDP-Bundestagsabgeordneten Gudrun Kopp nach Detmold gekommen, um einen Mann im "Mittsommer zwischen 80 und 90 Jahren" zu erleben, der als Bundesaußenminister den Weg zur Deutschen Einheit ganz wesentlich mitgestaltet hatte.

Link: Radio-Interview mit Hans-Dietrich Genscher im Radio Lippe zum Nachhören

Gudrun Kopp stellte persönliche Bezüge zu Genscher her: Erst vor kurzem habe sie in ihrer Funktion als Parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung während einer Lateinamerika-Reise erfahren, dass der ehemalige Bundesaußenminister wegen seiner großen Verdienste zum Ehren-Staatsbürger von Costa Rica ernannt worden sei. Umso mehr freue sie sich, dass Genscher ihrem Ruf ins Lipperland gefolgt sei.

Der Ehrengast nahm den Ball gerne auf: Eine Chance zur Absage habe er gar nicht gehabt. "Frau Kopp lädt Politiker nicht zu ihren Veranstaltungen ein, sie rekrutiert sie." Genschers Rede wirkte dann aber ganz und gar nicht wie eine Pflichtübung. Im Gegenteil: Kämpferisch wie eh und je, rief er die eigenen Parteifreunde erst einmal dazu auf, den "Selbstschmerz" und die inneren Auseinandersetzungen zu den Akten zu legen. "Jetzt ist die Abteilung Attacke gefordert", um die Krise der Liberalen zu überwinden.

Tagespolitisch teilt Genscher die Ansicht seiner Gastgeberin. Beide sehen Deutschland und seine Partner derzeit „in der entscheidenden Phase für einen neuen Fiskalpakt.“ Gemeinsame Steuermaßstäbe sollen die Staaten Europäische Union fester aneinander koppeln. Nationale Alleingänge und gleich mehrere Rollen rückwärts, so Kopp mit Blick auf die anstehende Bundestags-Entscheidung über einen dauerhaften Euro-Rettungsschirm, brauche niemand.

Ohne die Euro-Skepsis eines Teils der Liberalen anzusprechen, wurde Genscher noch deutlicher: °Nationaler Egoismus ist der Feind der Verständigung." Und: „Die europäische Einigung war nicht nur die Antwort auf die Vergangenheit, sie ist auch Vorbereitung auf die Zukunft." Seine Analyse: Die Gewichte in der Welt verschöben sich dramatisch. Chinas Volkswirtschaft mit 1,3 Milliarden Menschen, schon bald überholt von Indien mit künftig noch mehr Konsumenten, stelle "die kleinen Staaten Europas" vor eine riesige Herausforderung. Nur gemeinsam hätten eine halbe Milliarde Europäer mit der größten Volkswirtschaft der Welt und dem größten Anteil am globalen Handel eine Chance, urteilte Genscher beim Blick auf das große Ganze. Deshalb müsse Europa, das wegen der Staatsschuldenkrise Anlass zur Sorge gebe, rasch wieder auf den Pfad der Stabilität geführt werden, sagte Genscher. "Wir müssen nicht fragen, was ist falsch am Euro?" Viel wichtiger sei die Frage: „Was haben wir falsch gemacht mit dem Euro?“

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch eine Bläsergruppe des Detmolder Jugendorchesters unter der Leitung von Udo Mönks. Gudrun Kopp war voll des Lobes für die jungen Musiker: Sie seien in einem harmonischen Gleichklang aufgetreten, wie sie ihn sich für die FDP nur wünsche. Daher freue sie sich darauf, das komplette Jugendorchester zu hören, wenn es Anfang Februar im Grabbe-Gymnasium gemeinsam mit dem Partnerorchester von der McLean Highschool aus Washington auftreten werde.